Gelegentlich findet man seiner Sammlung eine Ansichtskarte, die verborgene Werte zeigt. In diesem Falle ist es ein Luftbild aus den Jahren 1920/21. Der Titel lautet:

Bremen, Wallpromenade mit Weser-Eisenbahnbrücke

Aufnahme vom Sablatnig Flugzeug*

Bremen, Wallpromenade mit Weser-Eisenbahnbrücke Aufnahme vom Sablatnig-Flugzeug Quelle: Sammlung Peter Strotmann

Das Foto und der Druck der Ansichtskarte aus den Jahren 1920/21 sind wirklich „grottenschlecht“. Aber es ist eine der ersten Aufnahmen von der Stadt Bremen von einem Flugzeug* aus. Damit halten wir ein fast hundert Jahre altes Zeitdokument in Händen.. Es zeigt ein Bremer Gebiet, das selten aufgenommen wurde: Das alte Stephani- und Hafenviertel.  Zusammenfassend sei noch gesagt, dass nahezu sämtliche Gebäude und Bauwerke im Laufe der Zeit, insbesondere durch die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg, zerstört oder oder aus anderen Gründen beseitigt wurden.

Bremen, Wallpromenade mit Weser-Eisenbahnbrücke
Aufnahme vom Sablatnig-Flugzeugmir Markierungen Quelle: Sammlung Peter Strotmann

Um den Leser die Orientierung zu erleichtern, wurde diese Kennzeichnung eingeführt:

 

Die beiden Viertel: rot markiert

+ A Stephaniviertel mit

+ B Hafenviertel

 

Neun Gebäude, Bauwerke, Straßen: gelb markiert

+ 1 – Kirche St. Stephani, 1870

+ 2 – Hafenstraße, um 1904

+ 3 – Unterweser mit Eisenbahnbrücke, 1913

+ 4 – Weserbahnhof, 1892

+ 5 – Mühle am Stephanitor, um 1910

+ 6 – Wallbrücke mit Hafenstraße, 1911

+ 7 – Hafenhaus mit Freihafen I (Europahafen), 1912

+ 8 – Eisenbahnüberquerung an der Hafenstraße/Contrescarpe

+ 9 – Im Garten des alten Focke-Museums, um 1920

 

+ 1 – Kirche St. Stephani, 1870

Gründung um 1050 als Probstei, 1891 Teilabriss und Neubau, bei Luftangriffen auf Bremen im Jahre 1944 stark beschädigt, danach Wiederaufbau, heute Kulturkirche St Stephani Bremen. Das Bild zeigt die St. Stephani-Kirche, um 1870:  Hallenschiff mit parallelen Längsdächern, Südturm schon neugotisch, noch kein Nordturm. – Heute (2018) Kulturkirche St. Stephani.

Quelle: Wikipedia

+ 2 – Hafenstraße, um 1904

Mit dem Bau des Freihafens I (Europahafen), Fertigstellung 1888,

Das Bild zeigt die Hafenstraße auf einer colorierten Ansichtskarte aus dem Jahre 1904.

Quelle: Sammlung Peters

+ 3 – Unterweser mit Eisenbahnbrücke, 1913

Die erste Eisenbahnbrücke über die Weser im Zuge Bahnlinie Oldenburg-Bremen

wurde 1867 erbaut, im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, Neubau von 1962. Die Ansichtskarte stammt aus dem Jahre 1913.

Quelle: Sammlung Strotmann

+ 4 – Weserbahnhof, 1892

Erbaut 1859 für Güter, die kleinere Seeschiffe  und Kähne an die Unterweser brachten. Anschluss an das Eisenbahnnetz, im Zweiten Weltkrieg zerstört, Neubau 1960 als Sammelgutschuppen für Lieferung an Seeschiffe. Anfang der 2000er abgerissen, heute auf dem Grundstück: GOP und Hotel Steigenberger.

Quelle: Lithograpie W. Heuer,1892, Wikimedia  Commons

+ 5 – Mühle am Stephanitor, um 1910

Diese war die sogenannte Doventorsmühle, die in den Wallanlagen auf einer ehemaligen Bastion am Doventor stand. Vermutlich wurde sie zwischen Ersten und Zweitem Weltkrieg abgerissen. Die Ansichtskarte zeigt den Stand um 1910.

Quelle: Sammlung Strotmann

+ 6 – Wallbrücke mit Hafenstraße, 1911

Die höher liegende Straße Am Wall wurde mit einer Brücke über die Hafenstraße  geführt. Die Ansichtskarte wurde mit der Post 1911 versandt.

Quelle: Stadtteil-Archiv Bremen-Neustadt

+ 7 – Hafenhaus mit Freihafen I (Europahafen), 1912

Am Kopf des Freihafenhafen I (Europahafen) wurde ein Hafenhaus errichtet. Die Ansichtskarte wurde 1914 versandt.

Quelle: Sammlung Peters

+ 8 – Eisenbahnüberquerung an der Hafenstraße/Contrescarpe

Die Eisenbahnlinie Oldenburg-Bremen wurde 1867 eröffnet. Diese Eisenbahnbrücke überbrückt die Hafenstraße an der Contrescarpe. Die Ansichtskarte ist vermutlich um 1905 mit der Post versandt worden.

Quelle: Stadtteil-Archiv Bremen-Neustadt

+ 9 – Im Garten des alten Focke-Museums, um 1920

Das Historische Museum zog im Jahre 1913 in das ehemalige Altersheim an der Großenstraße. Seit 1918 hieß es Focke-Museum. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Bestände größtenteils ausgelagert. Das Gebäude fiel jedoch den Bomben zum Opfer.

Die ausgelagerten Bestände wurden wurden vom 1964 beim Haus Riensberg eröffneten neuen Focke-Museum übernommen. Die Ansichtskarte, um 1920, zeigt den Garten des alten Focke-Museums.

Quelle: Sammlung Böttner

von Peter Strotmann