Werbung in eiegner Sache: Anzeige Freidrich Eberts in der Bremer Bürger-Zeitung 1891.
Quelle: Bremer Bürger-Zeitung

Der erste Reichspräsident lebte 14 Jahre in Bremen

Ein Schlag ins Gesicht, das war zu viel für den jungen Friedrich Ebert. Vier Wochen vor Ende seiner Ausbildung zum Sattler überwarf sich der 20-Jährige mit seinem Meister. Daraufhin brach der 1871 in Heidelberg geborene Ebert die Lehre ab und ging auf Wanderschaft. Unterwegs kam er mit der Sozialdemokratie in Berührung und engagierte sich in verschiedenen Städten. 1891 kam er nach Bremen, blieb dort bis 1905 und zog anschließend nach Berlin. Dort begann seine steile Karriere bis ins höchste Staatsamt. Seit 1913 war er Vorsitzender der SPD und amtierte von 1919 bis zu seinem Tode 1925 als erster Reichspräsident der Weimarer Republik.

Eberts Wohnstätten von 1891 bis 1894

Doch was genau machte Friedrich Ebert in seinen Bremer Jahren?

Anfang Mai 1891 traf Ebert in Bremen ein, und bereits am 5. Mai 1891 bekam er Arbeit als Sattler. Zuerst wohnte er in der Gastwirtschaft und Herberge Zirus, Starkenstraße 3. Doch schon bald bezog er ein kleines Zimmer bei der Gesindevermieterin Wennemann, Ehefrau des Hutmachers Johann Hermann Wennemann am Jacobikirchhof 6. Zunächst versuchte er, sich als selbstständiger Handwerker und Gelegenheitsarbeiter durchzuschlagen.

Eberts erste Station in Bremen: Gelb markiert ist die Gastwirtschaft und Herberge Zirus, Starkenstraße 3. Grün markiert: Logis bei Wennemann, Jacobikirchhof 6,
eingezeichnet in einen Stadtplan von 1862.
Alle Ebertschen Wohnstätten sind überbaut.
Quelle: SuUB/Peter Strotmann

1893 ist Ebert dann auch im Bremer Adressbuch verzeichnet: Friedrich Ebert, Sattlermeister, Geschwornenweg 162. Das bedeutet, dass er bereits 1892 zum Geschwornenweg 162 gezogen ist und dass er, der höchstwahrscheinlich noch immer ohne Lehrabschluss geblieben ist, „plötzlich“ Sattlermeister ist.

Auch in Bremen engagierte er sich von Beginn an für die sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaft. Im März 1893 erhielt Ebert eine Festanstellung als Redakteur bei der „Bremer Bürger-Zeitung“, der Zeitung der Bremer SPD. 1894 schied er aus der Redaktion wieder aus.

Becks bietet Ebert eine Gastwirtschaft an

Anfang 1894 bot ihm die Kaiser Brauerei-Becks & Co. die Übernahme einer Gastwirtschaft an. Ebert nahm an und wurde zum 13. April 1894 Wirt der Gastwirtschaft „Zur guten Hilfe“ an der Brautstraße 16. Am 13. April 1894 bewarb er mit einer Anzeige in der Bremer-Bürger-Zeitung sein Lokal. Das Bemerkenswerte: der ausdrückliche Hinweis auf den oberen Saal „zur Abhaltung von Versammlungen und sonstigen Zusammenkünften“. Eine mehr oder weniger klare Einladung an die Adresse von Parteigenossen und Gewerkschaftern, sich in seiner Gastwirtschaft einzufinden.

Eberts Gaststätte an der Kreuzung Brautstraße/Westerstraße/Neuer Markt mit der Restauration im Eckhaus Brautstraße 16. Das Foto ist erst nach 1900 entstanden.
Quelle: Stadtteil-Archiv Bremen-Neustadt

Die ganze Straßenseite mit Eberts früherer Gastwirtschaft wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Bei der Neuplanung wurde die Straße verbreitert. Dadurch entfiel die Brautstraße 16, heute ist das Eckhaus Brautstraße 15.

Friedrich Ebert mit Frau Louise und den Kindern (von links) Friedrich, Georg und Heinrich, Weihnachten 1898. Sohn Karl wurde 1899, Tochter Amalie 1900 geboren.
Quelle: Wikimedia Commons

Durch die Wirtschaft war Ebert jetzt materiell abgesichert. Das erlaubte am 9. Mai 1894 die Heirat mit Louise Rump (1873 bis 1955). Louise Rump, eine um zwei Jahre jüngere Kistenkleberin, stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Sie war selbst gewerkschaftlich tätig. Das Brautpaar verzichtete auf eine kirchliche Trauung, die Kinder wurden nicht getauft. Friedrich war katholisch getauft, Louise war evangelisch. Fünf Monate nach der Heirat kam das erste Kind, Friedrich, zur Welt. Es folgten noch drei weitere Söhne und eine Tochter. Zwei Söhne fielen im Ersten Weltkrieg, der älteste wurde SED-Oberbürgermeister von Ost-Berlin, der jüngste saß als SPD-Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg.

Die Pflichten eines Wirtes belasteten Friedrich Ebert sehr, er hat seine Zeit als Wirt wohl auch deshalb später nicht in offiziellen Lebensläufen angegeben. Wenn nicht seine Frau und seine Schwiegermutter tatkräftig mitgearbeitet hätten, hätte er die Wirtschaft bestimmt bald wieder aufgegeben. Die Gaststätte war jetzt zu einer Art Zentrum für Gewerkschafter und Sozialdemokraten geworden. Ebert war zumeist anwesend und ansprechbar, zumal er auch mit der Familie im Haus wohnte.

Ein eigenes Haus an der Neustadt

Ende April 1900 übergab Ebert die Gastwirtschaft an einen Nachfolger. Seine Frau Louise soll beim Auszug aus der Gastwirtschaft befreit aufgeatmet haben. Nach dem Auszug aus der Brautstraße 16 richteten sie sich im Souterrain des kleinen Hauses an der Kantstraße 112 (vormals Nr. 63) ganz in der Nähe der heutigen Friedrich-Ebert-Straße häuslich ein.

Friedrich-Ebert-Gedenktafel am Haus Kantstraße 112.
Quelle: Kunst im öffentlichen Raum

1975 ehrte die Hansestadt Bremen den einstigen Arbeiterführer und späteren Reichspräsidenten mit einer Gedenktafel, die am Haus Kantstraße 112 angebracht wurde. Die Inschrift lautete: In diesem Hause wohnte von 1900 bis 1901 der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert, Gründer der Arbeiterkammer in Bremen. Bei Renovierungsarbeiten wurde die Tafel um 2000 entfernt.

In einer Ansprache betonte seinerzeit Bildungssenator Moritz Thape, dass Ebert in seiner ,,Bremer Zeit“ von 1891 bis 1891 der Sozialdemokratie entscheidende Impulse gegeben hätte.

Trautes Heim: Skizze des Ebert-Hauses an der Neckarstraße von 1900.
Quelle: Staatsarchiv Bremen

Familie Ebert hat nur etwa ein Jahr in der Kantstraße 112 gewohnt. Es war eine Übergangswohnung bis das neuerbaute, eigene Haus Ende 1900/Anfang 1901 an der Neckarstraße 79 in der Neustadt bezogen werden konnte. Auch dieser Umstand, dass er ein eigenes Haus hatte, findet sich nicht in der offiziellen Biografie.

Entsprechend lautete der Eintrag im Bremer Adressbuch von 1902: X Ebert, Friedrich, Geschäftsführer Arbeiter-Secretariat, Neckarstraße 79 (X bedeutet Eigentümer).

Wie sich anhand der Akten im Staatsarchiv Bremen feststellen lässt, hatte das Haus eine Breite von sechs Metern und eine Tiefe von 9,7/10,5 Metern. Die Bauerlaubnis erging am 31. Mai 1900, die Meldung zur Schlussabnahme erfolgte am 20. September 1900. Erster Eigentümer von 1900 bis 1905 war Friedrich Ebert. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zerstört, die Ruine 1960 beseitigt und das Grundstück durch die Bundesstraße 6 überbaut.

Die politische Wirksamkeit Eberts, hauptsächlich in den Jahren von 1900 bis 1905 als Mitglied der Bremer Bürgerschaft und als Arbeitersekretär, fand ein jähes Ende, als der 34-Jährige überraschend am 24. September 1905 in den Vorstand der Gesamtpartei (SPD) nach Berlin berufen wurde. Am 1. Dezember 1905 erfolgte der Umzug von Bremen nach Berlin.

von Peter Strotmann

Betrieb in der Neustadt eine eher ungeliebte Gastwirtschaft: Friedrich Ebert.
Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1970-096-03 / Grohs, A. / CC-BY-SA 3.0