Ein Blick in die Geschichte (190): Foto von 1985 zeigt ungewöhnliche Perspektive

Dieses Foto könnte eine Fotomontage sein. Also ein Fake. Aber es ist ganz anders. Das Foto wurde vermutlich im Sommer 1985 „geschossen“. Es zeigt den Hillmannplatz von der nördlichen Seite. Oh ja, werden jetzt einige sagen, auf der rechten Bildseite ist doch die neue Hochgarage am Hillmannplatz zu sehen. Andere erkennen auf der linken Bildseite das ehemalige Gymnasium an der Karlstraße. Beides ist richtig. Dieses ungewöhnliche Foto konnte nur während weniger Monate gemacht werden, und zwar in der Zeit, als die Hochgarage fertiggestellt war und bevor es zum Abriss der Schule kam. Daran werden sich die wenigsten noch erinnern.

Hillmannplatz, nördliche Seite, 2018. Im Hintergrund: Treppenhaus der Hochgarage am Hillmannplatz (erbaut 1985), linke Bildseite: Backsteingebäude des Hillmannhauses (erbaut 1990).
Foto: Peter Strotmann

Der Hillmannplatz und seine Geschichte

Im Zweiten Weltkrieg hatten die Bombenangriffe das Gebiet zwischen Bahnhofstraße und Birkenstraße weitgehend zerstört. Der Bremer Senat beschloss im Jahre 1958, die Marienstraße und die Straße Am kleinen Barkhof nicht wieder aufzubauen. Sondern dort einen neuen Platz zu schaffen: den Hillmannplatz.

An der Ecke Birkenstraße/Herdentorsteinweg stand das Hotel Hillmann. Auch das wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach der Zwischennutzung durch die Hillmann-Passage (gebaut 1949) sollte auf dem brach liegenden Gelände wieder ein Hotel entstehen. Doch es sollte noch bis 1985 dauern, bis das Marriot-Hotel eröffnet wurde (heute Swissôtel). Der Entwurf für diesen Backsteinbau mit seiner markant geschwungenen Fassade stammte von den Hamburger Architekten Gerkan, Mark und Partner.

Anfang der 1980er Jahre begannen die Planungen für die nördliche Seite des Hillmannplatzes. Als erstes entstand im Jahre 1985 die Hochgarage am Hillmannplatz, die ebenfalls von den Hamburger Architekten entworfen wurde. Dieser Bau erhielt beim „Deutschen Architekturpreis 1985“ einen Anerkennungspreis, der vom Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau überreicht wurde. In der Bewertung heißt es, dass neben der „Gestaltungschrakteristik mit dem hier üblichem Ziegelmauerwerk“ und dem Wechsel von Fläche und Gitterstruktur wird die freie Außentreppe lobend hervorgehoben, „die schon optisch ein Gefühl von Sicherheit vermittelt“ und „als kräftige Diagonale einer Monotonie der Hauptfassade entgegenwirkt“.

Der Hillmannplatz und seine Bebauung.
Quelle: © OpenStreetMap-Mitwirkende/Peter Strotmann, 2018

Bis 1962 ein Mädchengymnasium

Das Schulgebäude an der Karlstraße war von 1922 bis 1962 ein Mädchengymnasium. Ab 1963 wurden auch Jungen aufgenommen. Im Jahre 1968 wurde die Schule aufgelöst. Sie zog im August 1968 in die Vahr zum neuerbauten Gymnasium an der Kurt-Schumacher-Allee. Bis 1985 diente das Schulgebäude an der Karlstraße dem Wirtschaftsgymnasium.

Zur weiteren Gestaltung des Hillmannplatzes wurde die Schule anschließend abgerissen und die Karlstraße aufgehoben. Sie machte damit Platz für die neue Hillmannstraße. Diese verläuft vom Breitenweg über den Philosophenweg zur Birkenstraße. Zum Hillmannplatz hin entstand das ebenfalls von den Architekten Gerkan, Mark und Partner entworfene und im Jahre 1990 fertiggestellte „Hillmannhaus“. Den Abschluss bildete das An der Ecke Hillmannstraße/Birkenstraße errichte „World Trade Center“. Auf dem Hillmannplatz wurden später Bäume gesetzt und Bänke aufgestellt. Damit hatte er seine heute bekannte Gestaltung erhalten.

von Peter Strotmann

Der Hillmannplatz an der nördlichen Seite im Sommer 1985. Linke Bildseite: Hochgarage am Hillmannplatz (erbaut 1985), rechte Bildseite: das ehemalige Gymnasium an der Karlstraße. Vor beiden Gebäuden verläuft die Karlstraße, an der Autos parken. Im Vordergrund der Eingangsbereich des ehemaligen Marriot-Hotels (heute: Swissôtel).
Foto: Eva D. Becker/Schwachhausen-Archiv