Schnurstracks Richtung Norden: die A 27 bei Schwanewede.
Quelle: Teta_pk, Gruppe 1 Flug 2 DSC0526, CC BY-SA 3.0

Vor 40 Jahren: Eröffnung des A 27-Teilstücks zwischen Bremen-Nord und Bremerhaven

Irgendwie passte es zum Possenspiel rund um die Eröffnung des Teilstücks der A 27 zwischen Bremen-Nord und Bremerhaven. Kaum hatten die hohen Herren aus Bonn und Hannover am frühen Nachmittag des 21. November 1977 das Feld geräumt, da kam es auch schon zu den ersten Zwischenfällen auf der neuen Piste. Zweimal musste sich die Polizei auf den Weg machen. Erst zerschmetterte bei Hagen ein Stein die Windschutzscheibe eines Autos, dann brach die Achse eines Sattelschleppers der US-Army unweit Uthlede.

Schon im Vorfeld des feierlichen Eröffnungsakts hatte es deutlich vernehmbare Misstöne zwischen Bremen und Niedersachsen gegeben. Weil die Autobahn auf niedersächsischem Boden gebaut worden war, sollten bremische Politiker beim Festakt nichts zu sagen haben. Weder der Bürgermeister noch sein Bausenator erhielten eine Einladung. „Koschnick und Seifriz hätten anschließend in Bremerhaven Erklärungen abgeben können“, ließ der niedersächsische Verkehrsminister Erich Küpker (FDP) wissen.

Kein sonderlich diplomatisches Statement.

Dabei handelte sich um einen Meilenstein des Autobahnbaus im Norddeutschland. Um ein Projekt, dessen Anfänge zurückreichen bis in die frühen Jahre des forcierten Fernstraßenbaus im „Dritten Reich“. Anders als man vermuten könnte, gehört die A 27 zu den ältesten Autobahnen Deutschlands. Oder jedenfalls jener Abschnitt, der heute als „Blockland-Autobahn“ zur A 27 gehört. Allerdings konnte von einem kontinuierlichen Baufortschritt keine Rede sein, der Ausbau blieb von Anfang an Stückwerk.

Ursprünglich nur ein Zubringer zur A 1

Zwar begann bereits 1934 der Bau des Abschnitts im Blockland, damals noch als Zubringerstrecke für die A 1 zwischen Hamburg und Bremen. Und das schon mit der erklärten Absicht, die östliche Umgehung des Stadtgebiets bis an die Küste fortzusetzen. „Ursprünglich sollte die Autobahn bis Bremerhaven geführt werden“, schreibt Stefan Broocks von der Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte (AGAB) in einem Beitrag zum 75-jährigen Bestehen der Blocklandstrecke. Doch nach der Eröffnung im November 1937 kam der weitere Ausbau kriegsbedingt zum Stillstand, erst ab Ende der 1950er Jahre nahm man den südlichen Abschnitt zwischen Bremen und Walsrode in Angriff.

Noch allein auf weiter Flur in den frühen 1950er Jahren: Nach Kriegsende wurde der Autobahnausbau wieder aufgenommen.
Quelle: Deutsche Fotothek‎, Fotothek df roe-neg 0006199 007 Blick von oben auf einen fahrenden BMW 501 auf d, CC BY-SA 3.0 DE

In nördlicher Richtung ließ die Fertigstellung noch länger auf sich warten. Nach mehrjähriger Bauzeit wurde 1974 die Umgehung von Bremerhaven dem Verkehr übergeben, parallel begannen die Arbeiten am 34 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Seestadt und dem Ihlpohler Kreisel in Bremen-Nord. Für die Ingenieure stellte der mitunter moorige Untergrund eine echte Herausforderung dar. Wie schon vier Jahrzehnte zuvor beim Bau der Blockland-Strecke musste der Mutterboden metertief abgetragen und durch Sand ersetzt werden. Das hatte natürlich seinen Preis: 216 Millionen Mark setzte der Bund buchstäblich in den Sand.

Für die Anwohner bedeutete der Ausbau eine echte Erlösung, quälten sich doch bis dahin täglich bis zu 15.000 Fahrzeuge auf der völlig überlasteten Bundesstraße 6 zwischen Bremen und Bremerhaven hin und her. Kein Wunder, dass Bremen der neuen Verbindung besondere Bedeutung beimaß. Nicht nur für den Pendlerverkehr, auch für den Gütertransport und erholungshungrige Touristen beseitigte der Lückenschluss ein langjähriges Nadelöhr.

Und nun also keine Berücksichtigung der Bremer bei der feierlichen Einweihung.

Für Bremen ein Affront

Machte bei der Eröffnung des A 27-Teilstücks im November 1977 schon mal ein bisschen Wahlkampf: Karl Ravens, SPD-Spitzenkandidat für die niedersächsische Landtagswahl im Juni 1978.
Quelle: Bundesarchiv B 145 Bild-F055059-0025, Köln, SPD-Parteitag, Ravens, CC BY-SA 3.0 DE

Für die Hansestadt ein empfindlicher Affront. Weshalb der brüskierte Bausenator bereits einige Tage zuvor auf eigene Faust zu einem kleinen Festakt geladen hatte. Zu einer „feuchtfröhlichen Einweihungsfeier“, wie Küpker spöttisch anmerkte.

Freilich hatte der liberale Minister die Rechnung ohne den erst kürzlich verstorbenen Bundesverkehrsminister Karl Ravens (SPD) gemacht. Bereits bei der Pressekonferenz am Einweihungstag meldete der gebürtige Achimer sich zu Wort und legte dann auch noch „unaufgefordert“ Hand an bei der Beseitigung der mit Girlanden geschmückten Barriere.

Ein Schelm, wer Böses dabei dachte: War Ravens doch schon damals als SPD-Spitzenkandidat für die niedersächsische Landtagswahl im Juni 1978 nominiert. Da konnte es nicht schaden, sich bei der Autobahn-Freigabe schon einmal ein bisschen in Szene zu setzen. Ein bisschen Vorwahlkampf zu betreiben und dabei einem führenden Vertreter der christ-liberalen Koalition in Hannover ordentlich auf die Füße zu treten. Zumal seine Medienpräsenz auch noch als gelungene Retourkutsche für die Schmach seiner Parteigenossen gelten konnte, den übergangenen Sozialdemokraten aus Bremen.

Gebracht hat es ihm allerdings nichts, auch wenn Ravens für die SPD nach heutigen Maßstäben mit 42 Prozent ein Traumergebnis einfahren konnte. Sein Gegenkandidat, Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU), holte für seine Partei aber noch über sechs Prozent mehr und konnte fortan allein regieren. Was er ohnehin auch musste, weil sein liberaler Koalitionspartner gründlich abgestraft wurde und an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte.

Wie gut, dass der letzte Teilabschnitt zwischen Bremerhaven und Cuxhaven keinerlei Konfliktpotenzial barg. Verlief die noch einmal 25 Kilometer lange Strecke doch ausschließlich durch niedersächsisches Gebiet. Im Dezember 1981 wurde auch dieser Abschnitt freigegeben. Damit war 47 Jahre nach dem ersten Spatenstich die A 27 endlich vollendet.

Nicht durchsetzen konnten sich Gedankenspiele zur Verlängerung der Autobahn bis nach Berlin. Im April 2008 äußerte sich der damalige niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) zwar grundsätzlich positiv über einen entsprechenden Vorstoß aus der Region Celle. „Es ist offenkundig, dass eine weitere Ost-West-Achse erheblich zur Entlastung der völlig überstrapazierten A 2 beitragen kann und auch die Hinterlandanbindung der nordwestdeutschen Häfen verbessert“, so Hirche damals.

Doch daraus wurde nichts, bis heute endet die A 27 in der Lüneburger Heide. Über eine Länge von 162 Kilometern reicht die Autobahn von Cuxhaven bis zum Autobahndreieck Walsrode und mündet dort in der A 7.

von Frank Hethey

Mehr dazu in der Radio Bremen-Reihe „As times goes by“:

Endlich freie Fahrt nach Bremerhaven: Mit dem des Teilstücks ab Bremen-Nord wurde eine wichtige Etappe zurückgelegt.
Quelle: https://klaus-motoren.com/

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